fisch_999

Die Community für Stadienliebhaber und Groundhopper. Übersichtliche Listen aller Spiele und Grounds. Dazu Bilder, Blogs, Berichte, u.v.m.

Tour 2011, 1. Woche

Skandinavien, Baltikum


Tour 2011, 1. Woche

Yes, 3 Wochen Länderpunkt Konto aufbessern + kulturelles Abgammeln lagen vor mir. Grobplanung, Skandinavien + Baltikum, anschließend noch einmal in das osmanische Reich.

Berlin Schönefeld, bekanntes Gebiet. Früh morgens ging es per Flieger gen Oslo. Kleine Vorgeschichte, über unser Lieblings-Social-Network wurde durch Zufall eine kleine, aber nicht zu vernachlässigende Gemeinsamkeit zwischen Herrn Groundlager.de und meiner Wenigkeit festgestellt. Verweilte doch Erstgenannter bereits seit 2 Wochen im fjordigen Gefilde und plante sich die Abreise mit dem Besuch vom Ground Ullevaal zu verschönern. Als wir jenes per Zufall zum beidseitigen Erstaunen feststellten, fand man nach einer gewissen Zeit auch eine gemeinsame Sprache und das Date stand. Nicht auszudenken, wäre man sich erst im Stadion zufällig begegnet bzw. auf Groundlager….

In Oslo angekommen zahlte sich meine unglaublich penible Reisevorbereitung sofort aus. In Badelatschen, Sonnenbrille und kurzer Hose war der Osloer Dauerregen + gefühlter Winteranfang nur schwerlich zu akzeptieren. Direkt an der Bushaltestelle umgezogen, einige Frauen in Burka wirkten leicht verstört, ging es per Bus in die Innenstadt. Schnell noch ein tiefer Schluck aus einer der beiden Duty Free Jägermeisterflaschen (4d Skandinavien ist kneipentechnisch kein Zuckerschlecken…) und schon war die Reisefreude da. Erwähnenswert, mir wurde gleich im Bus klar gemacht, dass die norwegische Währung kein Spassgeld ist. 25€ für 1/2h Busfahrt, war gespannt, was da noch kommen mag…

Eine Penne hatte der Herr ebenfalls noch nicht gebucht. Grund, laut Internet waren alle Hostels ausgebucht (?!), Hotels gingen bei 100€+ los. Wie gesagt, ich habe kein Problem damit, für einen guten Kaffee 200€ auf den Tisch zu packen, wenn mir mein Gegenüber ein gutes, sprich „das ist schon ok“ Gefühl generiert. War hier mal gar nicht der Fall, 100€+ für 1* Blödsinn, da hört die Freundschaft auf.

Gepäck abgestellt, ging es zuerst in Richtung Opernhaus. Schickes Ding, nicht ganz zu Unrecht das neue Bauhighlight in der norwegischen Hauptstadt. Direkt in den Fjord künstlich hineingesetzt kann man über die Schrägen des Hauses bis direkt auf das Dach laufen. Sehr nice. Danach in Richtung Dom. Dessen Domschiff + Vorplatz nach wie vor mit unzähligen Blumen, Fotos und Gedichten übersät, viele Menschen verharrten beim Vorbeigehen in stiller Andacht. Der Amoklauf war schon 6 Wochen her, gefühlt hing nach wie vor über ganz Oslo ein Schleier der Traurigkeit.

27.08.2011 Valerenga Oslo vs. Haugesund 3:2 (1:1) – Ullevaal Stadion- 10977 Zusch.

Zeit für Fussi, dank der Metro war der Ground recht schnell erreicht. Überraschung, Herr M. klingelte bereits an, 1h vor dem Anpfiff. Wer Ihn kennt, weis jenes zu schätzen … ;-)

3/4h vor dem Anpfiff begrüßte sich das Facebook Date, ich bekam ein passendes groundlager.de Shirt überreicht (siehe Foto). Wie geil! Zusammen ging es in Richtung Ticketcounter, wo dann doch der Umweg über den ATM notwendig wurde. Zwei Tickets für 600NK, umgerechnet 80€. Nur um Missverständnisse zu vermeiden, wir waren nicht in England, wir waren immer noch im Fußballentwicklungsland Norwegen…

Rein in die Hütte, kurz tief Luft holen, schließlich mein 1. Länderpunkt der Tour. Das Spiel war ok, viel Gebolze gepaart mit 5 Toren, größtes Fussballstadion in Norwegen, der Support seitens Valerenga ganz annehmbar, Fazit: man kann Norwegen sicherlich auch schlechter machen.

Herr M. chauffierte mich nach dem Spiel noch in Richtung Zentrum zurück, er tat mir jetzt schon leid. Wollte (musste) er doch nun ohne Übernachtung bis nach EF durchfahren, und das größtenteils über skandinavische Landstrassen -  mit Tempolimit 70km/h + drakonische Strafen für „Raser“. Ohne Kommentar.

Nach einem kleinen Flüssigkeitsimbiss in einer Antifa-Lokalität (grins) wurde es Zeit für einen Club, schließlich musste ich die Nacht irgendwie rumkriegen. Nach dem 3. Anlauf war ich bedient, entweder man kam nur als Mitglied rein oder musste als Eintritt einen Getränkegutschein für 70-100€ kaufen, Blödsinn! Kurze Umplanung, sollte es nun anstelle vom 7Uhr Zug der 2Uhr Nachtbus Richtung Stockholm werden. Problem, der Busfahrer wollte mein Bargeld nicht, warum auch immer. Kreditkarte war dann ok, jedoch ging sein Lesegerät nicht. Rief er die Zentrale an und gab meine Daten mit der Lautstärke eines Opernsängers an, Kartennummer, CSV, Name… Entschuldigung, haben es im Bus auch alle verstanden, darf ich nochmal wiederholen…

Stockholm war 8Uhr erreicht, abgesehen von 1x Ruhestörung durch einen kotzenden Businsassen wurde schön durch geratzt. Gepäck weggeschlossen, ging es zur Stadtbesichtigung + Hostelsuche. Früh morgens durch nahezu menschenleere Strassen einer fremden Stadt zu laufen, ich steh drauf. Stockholm mit seinen vielen unterschiedlichen Stadteilinseln gefiel…

Hostel („Best Old City“) wurde direkt am Royal Palast klar gemacht. 30€ für 1x Nacht im 4‘er Mix Dorm. Erst kam nicht wirklich dieses bestimmte „das ist schon ok“ Gefühl auf, der Preis wurde jedoch nach einiger Recherche als „ortsüblich“ bewertet. Bekommt meine Empfehlung, klasse Lage, sauber, kostenloses W-Lan, dazu stark frequentierte Wohnküche + Gemeinschaftsraum. Die ersten Kontakte wurden geknüpft, als Dank zur Einladung zum Spaghetti Massaker wurde eine Flasche Jägermeister spendiert, Stockholm gefiel mir immer mehr. Zeit für Fussi…

28.08.2011 AIK Solna vs. Syrianska 1:0 (0:0) – Råsundastadion - 12023 Zusch.

Mit der Metro ging es gen Norden nach Solna, einem Stockholmer Vorort, wo das Heimspiel der dort ansässigen Mannschaft stattfand. AIK Solna? Kennt keine Sau… Jedoch eines der erfolgreichsten Vereine im Land, international besser bekannt als „AIK“, sprich ohne den Zusatz Solna. Jene spielen im Råsundastadion, gleichzeitig die Heimspielstätte der schwedischen Nationalauswahl. Fetziges Ding, 2 beeindruckende steile Hintertortribühnen, höher als die beiden Längstribühnen, Kapazität von 36.000 Zuschauern. Karte wechselte für umgerechnet 25€ den Besitzer.      

Das Spiel war spannend + kurzweilig, teilweise sehr hitzig, was sich komplett auf die Ränge übertrug. Wow, und ich dachte immer, die Nordländer hätten beim Thema Emotion gefehlt und dafür lieber Wale abgeschlachtet. Haugesund versuchte mit aller Macht das 0:0 durch feinstes italienisches Zeitspiel zu verteidigen. Resultat, 8min. Nachspielzeit, was AIK zum späten Siegtreffer nutzte.     

Im Hostel wieder angekommen wurde noch ein wenig mit der schwarz-gelben Wahlheimat gechattet, bevor es mit einer Gruppe Amerikaner zu einer privaten Geburtstagsfeier ging, welche Sie am Tag in der Innenstadt „klar gemacht“ hatten. Feine Sache, jedoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass unsere „etwas vergrößerte“  Anwesenheit von 8x Leuten (eingeladen waren 2x) sowie das amerikanische „spring back“ Verhalten den schwedischen Gästen nicht wirklich bekam. Shit happens, hätten die Proll-Touris ja nicht einladen müssen. Es dauerte 3h, bis wir alle alkoholischen Getränke in der Wohnung vernichtet hatten. Als dann einer der Amis einen Striptease vom feinsten hinlegte sowie den Wunsch äußerte, sein bestes Stück geschmückt mit einer rosa Schleife dem Geburtstagsmädel vor das Gesicht zu halten, wurden wir „höflich“ gebeten, zu gehen. Taten wir auch, Alk war ja alle… 

Stockholm bei Nacht! Hatte ich schon erwähnt, dass Stockholm sehr nice ist….  

Der darauffolgende Tag wurde mit Kopfschmerzen + relaxten Sightseeing vernichtet. Besonders erwähnenswert, das Vasa Museum. 1628 ist das schwedische Kriegsschiff Vasa auf der Jungfernfahrt direkt in Hafennähe gesunken, man hatte wohl die Gewichtsverteilung falsch berechnet. 1956-61 wurde der Kahn gefunden + geborgen, der Schiffsrumpf war nahezu komplett erhalten. Die fehlenden, abgebrochenen Teile wurden nachführend wie ein riesiges Puzzle zusammengesetzt, mit der Technik sowie Werkzeug vom 16. Jahrhundert. Angeblich eines DER Sehenswürdigkeiten weltweit. Am Museum angekommen, 15€ Eintritt geblecht, betrat ich das Museum in Erwartung einer etwas zu groß geratenen Nussschale mit ein paar Kanonen drauf. Wie groß konnte ein Schiff der damaligen Zeit schon gewesen sein…. Wow! Klarer Pflichtbesuch, sollte man in Stockholm verweilen.    

Hatte ich bereits erwähnt, das Stockholm „sehr sehr nice“ ist… 

Die 15-stündige Fährfahrt nach Helsinki gestaltete sich spannender als erwartet. Am späten Abend auf offener See kam ein feines Gewitter auf, der Pott schaukelte wie ein Ponyhof. Untergang der Estonia lässt grüßen… Auf den Decks sah man jede Menge Bleichgesichter, einige hingen bereits kotzend über der Reling. Welch schöner Anblick.  

Helsinki ist schnell erzählt. Die Stadt mit Ihren 300 Inseln ist nicht wirklich touristisch der Knaller, dazu regnete es den ganzen Tag. Einzig die Felsenkirche wusste zu begeistern. Die Jungs wollten 1939 auf einem Felshügel mitten in der Stadt eine große Kirche bauen. Dafür mussten Sie zuerst das Fundament bilden, sprich in den Felsen wurde ein Loch gesprengt. Blöd, die Deutschen kamen, der 2.Weltkrieg hatte Finnland erreicht. Die Bauarbeiten stoppten, das „Loch“ wurde einfach überdacht und als Behelfs-Gebetsstätte genutzt. Was dann auch nach Kriegsende so blieb. 

30.08.2011 Klubi-04 vs. FC Kiffen 1:0 (0:0) – Sonera Stadium - 80 Zusch.

Ich war mir nicht wirklich sicher, ob heute im größten Fussballstadion von Finnland wirklich gespielt werden sollte. 2h vor Anpfiff, keine Aktivitäten im/um den Ground zu sehen, ein Tor war sogar offen. Letzteres wurde sogleich genutzt, um einige Fotos vom leeren Stadion zu machen. Hätte ich mir sparen können, zum Spiel kamen geschätzte 80 Leute, in einem Stadium mit der Kapazität von über 10.000! Perfekter Anlass, um die Schönheit im einzigen Kassenhaus anzuquasseln. Warum denn das Spiel nicht auf einem der Nebenplätze stattfand? Wieso denn, ist doch die U21 vom HJK Helsinki, sprich deren Heimstadion. ?!?! Erdhörnchengesicht - ich wurde aufgeklärt. Der HJK erwarb 2004 die Lizenz vom insolventen FC Jokerit. Seitdem darf die II. vom HJK im Männerbereich aktiv werden, somit die eigentliche Liga der Amateurmannschaften umgehen. Gut informierte Schönheit, Vereinsbezeichnung Klubi-04 verstanden.

Und tatsächlich, da spielten zu groß geratene Kinder gegen Männer. Die Kinder gewannen, zum Schluss liefen Sie den „alten“ Männern einfach davon. 

Häkchen an Oslo, mit der Schnellfähre ging es noch am gleichen abend gen Tallinn.

Auf Tallinn war ich sehr gespannt, hörte man doch im Vorfeld nur „Gutes“. 2. beste Partystadt im Baltikum, feine Altstadt, hoch technologisiert, das europäische Silicon Valley etc.. Klasse Merchandising sag ich mal, a bissl zu hoch gestapelt. Ok, schöne Altstadt, als gebürtiger Erfurter jedoch nicht wirklich umwerfend. Grauenhaft, dass die komplette Altstadt als Tourizone erklärt wurde, sprich da verläuft sich kein Einheimischer freiwillig hin. Dazu deutsche Altersheimbusse in Massen... wo ist der „I hate it“ Button! Partytechnisch größtenteils den männlichen Rentnern angepasst, Naked Club, Gentlemen Clubs, Striptessi soweit das Augen blicken kann. Und bzgl. hoch technologisiert, naja, nach der Erfindung von Skype haben sich die Jungs wohl zur Ruhe gesetzt. Einzig erwähnenswert, weil jenes sofort ins Auge springt, die Mädels hier bekommen irgendwas in die Muttermilch getan bzw. werden schon bei Geburt selektiert. Alter Falter, mit Abstand der beeindruckenste Laufsteg, welchen ich jemals gesehen habe. 

Sobald man die Tourizone hinter sich lässt, weis Tallinn dann doch noch zu gefallen. Halt eine alte russische Kleinstadt, dessen wirtschaftlichen Aufschwung man an jeder Ecke gut sehen kann. Positiv, das Zentrum liegt nur 400m von der Ostsee entfernt, hier lohnt der Besuch vom ehemaligen Kulturpalast, welcher zweckmäßig eine riesige Bunkeranlage der russischen Armee darstellt sowie vom ehemaligen Staatsgefängnis. Schwer vorzustellen, dass der Schuppen bis 2005 benutzt wurde.  

Bewertung von den Hostels schenke ich mir ab jetzt. Einfach auf hostelworld.com die Hostels buchen, welche eine hohe Anzahl von guten Ratings besitzen, und man kann nichts verkehrt machen. Ich entschied mich für „Grilic“, alles scheene, keine Beanstandung.

31.08.2011 Kalju II vs. Lootos 4:4 (3:1) – Hiiu Stadion - 150 Zusch.

Dinge gibt es, die kann man sich sparen. Erst sollte das Spiel im Sportsland Tallinn stattfinden, ein Nebenplatz von der A. Le Coq Arena inkl. kleiner Tribüne. War aber nicht. Fehlinfo auf soccerway.com. Das Spiel fand am südlichen Stadtrand von Tallinn statt. Der Begriff „Stadion“ ist hier klar falsch gewählt, ein besserer Kunstrasenbolzer mit einer kleinen Sitztribüne trifft es besser. Also genau das, was ich generell nicht hoppe. Dazu kam, ein unwitziger Taxifahrer, der zum Schluss noch die Frechheit besaß, von mir Geld zu verlangen. Einzig die Fahrt durch ein russisches Arbeiterghetto wurde positiv vermerkt. Alter Falter, hier wäre ich freiwillig nicht ausgestiegen…  

Zum Spiel - viele Tore, Stimmung + anwesender Pöbel vergleichbar mit einer Dorfkirmes. Hatte ich mir mal nicht geschworen, generell nur Stadien mit min. einer Kapazität von 3000x Leutchen zu hoppen?! Hatte ich nichts Besseres zu tun, als mir diese verkappten Freizeitkicker am Arsch der Welt reinzuziehen? Verdammt, was machte ich hier??? Ok, Länderpunkt done, aber auf solch einen Bolzplatz eine ewige Schande… Zum Glück gab es an der Verpflegungsbude Wodka in Bechern, nach der 3. Bestellung war alles wieder scheene. Mehr als das, ein wenig Stolz kam im verschwommenen Köpfchen auf. Ich hatte schließlich einen Ground gehoppt, den nicht jeder macht. Alk fetzt manchmal…

01.09.2011 Estland U21 vs. Schweiz U21 0:0 (0:0) – A. Le Coq Arena - 1500 Zusch.

Nach einer netten Partynacht + Sightseeing der russischen Arbeiterghettos (mich zog es magisch hin…) stand nun der richtige Länderpunkt an, U21 EM-Quali. Ein Wiedersehen mit der A. Le Coq Arena, war ja gestern schon hier, wurde für 5€ der Ground betreten. Heimstadion der estnischen Nationalmannschaft, Kapazität von knapp 10.000 Leuten. Der Arena Charakter war sofort zu sehen, trotz der geringen Kapazität viele Logen + 2 Ränge, alles halt nicht wirklich speziell + umwerfend.

Spiel war grottig, wenig Chancen, keine Tore. Dennoch, ein Lärm in der Arena, wie auf einer Kindergeburtstagsfeier. Grund, es wurden massenhaft Schulkinder zum Spiel gekarrt, gefolgt von der halben estnischen Armee. Zur Halbzeitpause gab es geröstete Brotkrusten mit geriebenem Knoblauch im 0,5l Bierbecher. Genauere Definition: Knoblauch pur mit ein Hauch Brotkrusten. Respekt, steh ich drauf.

Ein wenig freute ich mich darüber, dass die Bergziegen nicht gewannen. Grund, am Vortag hatte ich bereits die Jungspunde in Trainingsanzügen durch Tallinn laufen sehen. Dabei streckten Sie einigen der Laufsteg Mädels Ihr schweizer Jackenemblem entgegen sowie hielten Ihre Uhren hoch, gepaart mit einem dicken Grinsen. Was für Störche ….

Nach dem Spiel ging es per Nachtbus via Vilnius nach Kaunas, 2.größte Stadt von Litauen. Gegen 6Uhr morgens komplett verpeilt angekommen (eine seit frühester Kindheit gestörte Kamikaze Busfahrerkombo erwischt), ging es auf ein Käffchen in die Bahnhofsmitropa. Ein Grinsen erhellte mein Gesicht, ich war wieder in meinen Gefilden, tiefste Ostzone. Kein Mensch sprach Englisch, der Kaffe kostete umgerechnet 0,20€, die Tischdecke seit Jahren nicht gewechselt, die Kellnerin zeigte viel fettige Haut, ein Haufen Typen vom Volk, was keiner braucht (siehe Blog 2010).    

Gepäck ins Hostel geschafft, wollte ich eigentlich gleich wieder los zum Sightseeing. „Blöderweise“ verquatschte ich mich mit 2 Mädels aus Köln, welche mal eben mit dem Fahrrad hier waren. Eigentlich wollten Sie „nur“ von Köln bis Polen fahren, jetzt war das neu gesteckte Ziel Estland. Wo die beiden wohl Ihre Tour beenden werden…. Anyway, lustige + interessante Combo, nach 5h musste ich dann aber doch mal los, Fussi wartete nicht.

02.09.2011 Litauen vs. Liechtenstein 0:0 (0:0) – S. Dariaus ir S. Girėno stadionas- 6500 Zusch.

Jede Menge Autos mit litauischen Fahnen fuhren auf den Strassen, was für ein Fussballhype … dachte ich. Weit gefehlt, wie sich erst später herausstellte, hielt man es hier eher mit dem litauischen Basketballteam, welche zeitgleich die EM im eigenen Land bestritten. Fussball scheint nach Basketball und Tennis eher eine Randsportart zu sein. Im Park vor dem Stadion geschlendert, sah ich viele Sportgruppen trainieren. Die meisten Kids fielen durch Ihre unnatürlich ausgeprägte Körpergröße auf, vom Gesicht her viel zu jung für die 1,80m aufwärts. Das gleiche bei den Mädels, kam mir eine Laufgruppe entgegen, bei denen die Hälfte größer war als ich (Anmerkung der Redaktion,  >1,93m). Von Ihren Trainingsklamotten ausgehend lief da gerade die litauische , Sektion Baksetball, an mir vorbei.

Zum Spiel selber kamen ca. 6500 Leute, darunter ebenfalls wieder viele Kinder + Soldaten. Der Ground gefiel, mal was ganz neues. Der obere Rang besteht aus einzelnen Segmenten, sprich es gibt keine zusammenhängende Tribüne. Auch die Verteilung der Segmente war für mich nicht wirklich nachvollziehbar, 1 Rang gefolgt von 2 Rängen gefolgt von leer usw. (siehe Bild).

Das Spiel war klasse, basierend auf dem Niveau beider Mannschaften kam es zu vielen individuellen Fehlern, was gute Chancen auf beiden Seiten ermöglichte. Natürlich war Litauen gegen den Underdog aus Liechtenstein klar der Favorit, umso schöner, wie die Jungs vom Fürstentum dagegen hielten. Zum Schluss, und das ist kein Scherz, hatte Liechtenstein klar die besseren Chancen. Hat nicht viel gefehlt und ich hätte den historisch bedeutsamen ersten Auswärtssieg vom Kleinstaat beigewohnt. Nette Aktion, nach dem Spiel gingen die Spieler vom Fürstentum zu den mitgereisten 6x Fans in die Kurve, bedankten sich herzlich und schnackten mit den Jungs. 

Nach dem Spiel ging es direkt zum Public Viewing in eine Art Biergarten, mitten im Zentrum gelegen. Spielte doch im Zuge der Basketball EM Litauen vs. Türkei. Die Strassen menschenleer, alle Bars mit TV knacke voll.

Ok…, ist einen Absatz wert. Das Spielergebnis vorweg genommen, Litauen drehte das hitzige Spiel nach ewigen Rückstand und gewann knapp. Stimmung bei den anwesenden 200 Leuten mehr als feierlich, totales Durchdrehen trifft es besser.

Zur Halbzeitpause kamen die Spieler von Liechtenstein in den Biergarten, natürlich schön einheitlich in Ihren Trainingsklamotten. Waren cool, stellten sich an den Rand und schauten mit. Bis 10 Typen plötzlich von Ihren Stühlen aufstanden, alle mit schwarzem Sweatshirt, Aufschrift „Hardcore Bosnian‘s on tour“, zündeten 4 Bengalen und sangen Ihre Schlachtrufe. Muss ein Lobeslied auf Litauen gewesen sein, keiner der Einheimischen fühlte sich gestört. Leicht irritiert war ich von der anwesenden Polizei, welche ebenfalls das Spiel schaute. Ein kurzer Blick zu den Typen, ein Lächeln und ein tiefer Schluck aus der Bierflasche. Man stelle sich gleiches Szenario in Deutschland vor…. Achja, die Spieler vom Fürstentum hatten es auf einmal sehr eilig, die Lokalität zu verlassen, wahrscheinlich zuviel Emotionen (grins). 

Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus nach Riga, der letzte Länderpunkt der Elchlandtour wartete.

03.09.2011 Football Skola Riga vs Rēzekne / BJSS 9:0 (5:0) – Latvijas Universitates Stadion- 30 Zusch.

Eingecheckt ins Party-Hostel ging es direkt in Richtung Stadion „Academica Riga Football Skola“. Hier sollte heute ein Spiel der 1. Lettischen Liga stattfinden. War aber nicht, der Ground komplett verwaist. Nicht einmal die Linien waren gezogen. Nerv. Ab ins Hauptgebäude der Sportschule, wo mir nach einem kleinen, jedoch angebrachten Aufstand der feinsten Art endlich jemand geschickt wurde, der wenigstens 3 Worte Englisch sprach. Die „No game … tomorrow 2 o’clock“ Info erhellte meine Laune. War der Tag also für Sightseeing geeignet, Riga hat ja einiges zu bieten. Warum auch immer lies ich jedoch die Altstadt links liegen und fuhr mit der Tram zum Skonto Stadium. Blöd, wenn die Tram einen anderen Weg fährt, als man will. Ok, nächste Haltestelle ausgestiegen und den Alternativweg gecheckt. LU Ground (Latvijas Universitates Stadion) lag auf den Weg, nur ein kleiner Umweg war notwendig…

Kaum am Stadion angekommen klingelte es in meinen Ohren. War das etwa ein Pfiff aus der Trillerpfeife? Tatsache, hier wurde gespielt. Zu aller Verwunderung, der RFS spielte, also das gesuchte Match von Riga Football Skola. Mein Tag, der letzte fehlende Länderpunkt von Nordeuropa… ;-)

Das Spiel war, ähhh, sagen wir mal so, sehr einseitig. Es fielen nur 9 Tore, hätte aber auch gerne 15:0 ausgehen können. Welch Klassenunterschied in der zweithöchsten lettischen Liga. Bei geschätzten 30x Zuschauern (davon 10x Spielerfrauen) erübrigt sich die Diskussion über Stimmung oder Support. Der Ground selber ist das hässlichste (kultigste), was ich in der Kategorie „3000+“ gehoppt habe. Irre, dass man das Ding noch nicht abgerissen hat… ;-)   

Kurz was zu Riga, einfach mal sehr sehr nice. Die Stadt hat irgendwie alles zu bieten, Altstadt, architektonisch einmalige Wohnhäuser, schöne traditionelle Holzhäuser, viel Kultur, irre Party Locations etc. Ganz klar zu empfehlen, danach braucht auch keiner mehr nach Tallinn zu fahren. Es folgten 2x schlaflose Nächte, ich musste hier dringend weg...

Fazit: 6x Länderpunkte in 8 Tagen, Ziel erfüllt. Davon 5x die großen Fussballstadien in den jeweiligen Ländern gesehen, Party + Kultur + Sightseeing + meet peoples obligatorisch. Urlaub kann nun beginnen, auf gen Mazedonien….

 

 



02.10.2011 Grasshopper Zürich vs. FC Zürich (Spielabbruch)
Die "Schande" von Zürich

28.02.2011 Levski Sofia vs. CSKA Sofia 1:3 (0:1)
Stadtderby in Sofia

28.06.2011 Koreanische A-Nationalmannschaften
Man sollte im Vollrausch keine Wetten eingehen...

21.02.2011 Sporting CP Lissabon vs. Benfica Lissabon 0:2 (0:1)
Lissaboner Stadtderby - letztes Spiel der Portugal Tour

16.04.2011 West Ham United – Aston Villa 1:2 (1:1)
Inseltour April 2011

30.09.2010 Steaua Bukarest - SSC Neapel 3:3 (3:1)
Auszug von der Interrail Tour 2010.

Interrail Tour 2010, Tag 15-21
Mostar, Bukarest, Wien

26.09.2010 FK Sarajevo – FK Olimpic Sarajevo 3:1 (0:1)
Auszug von der Interrail Tour 2010.

24.09.2010 Partizan Belgrad – Spartak Subotica 0:0 (0:0)
Auszug von der Interrail Tour 2010.

18.09.2010 FC Dynamo Tirana – Shkumbini Peqin 1:0 (0:0)
Auszug von der Interrail Tour 2010.

Interrail Tour 2010, Tag 8-14
Athen, Belgrad, Zagreb, Sarajevo

Interrail Tour 2010, Tag 6-8
Italien, Albanien

Interrail Tour 2010, Tag 3-5
Barcelona, Madrid

Interrail Tour 2010, Tag 1-2
Polen, Slowenien

01.08.2010 Spartak Moskau – ZSKA Moskau 1:2 (0:0)
Auszug von der Moskau Tour 2010.

Moskau Tour 2010
Inkl. Stadtderby Spartak vs. CSKA Moskau

11-14.09.2009 - 3 1/2 x Dynamo Dresden in 5 Tagen ...
Club Supporting extrem: 3 1/2 x Dynamo Dresden in nur 5 Tagen - Viel Spass beim Lesen... ;-)

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